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Architektur für meine Heimatstadt

Es ist lange her, dass die Nonnen vom St. Mary’s Star of the Sea College mir vorhielten, dass ich mit Einkaufen keine berufliche Karriere machen könne. Nun ist es soweit, dass wir das möglicherweise ehrgeizigste Projekt meiner Heimatstadt auf die Beine stellen: Das Wollongong-Einkaufszentrum der GTP Gruppe. Die Erweiterung, die heute eröffnet, steht für einen neuen gesellschaftlichen Mittelpunkt – ein lebendiges Shoppingcenter, das auf kunstvolle Weise Architektur, Kunst und Kultur kombiniert. Die Bedeutung, die es dabei für die Entwicklung der Gemeinde hat, geht weit über einen neuen Ort zum Einkaufen hinaus.

Die Stadt Wollongong wird häufig als Stahlstadt angesehen und liegt 80 Kilometer südlich von Sydney. Eingebettet zwischen Wasser und Steilhängen liegt sie an einer der schönsten Küsten des Pazifischen Ozeans. Diese letzte Tatsache ist jedoch unser Geheimnis, da die Geschichte der Industrialisierung der Stadt für Verschmutzung, Narben und Zerstörung steht.

Als wir 2011 in die Planungsphase des Projektes einstiegen, holte ich ein Schwarzweißfoto meiner Eltern raus, auf dem sie aus der luftigen Höhe des Bald Points über das spektakuläre Amphitheater an der Meeresküste blickten und die aufstrebende Stadt und Industrie im Hintergrund zu sehen ist. Das war 1955 am Tag ihrer Hochzeit. Ihre Hoffnungen und Träume wurzelten in einem Ort, der gleichermaßen schön, wie wild, roh und ursprünglich war. Aber meine Eltern machten zwischen diesen beiden Gegensätzen keinen Unterschied. Sie konzentrierten sich darauf, dass in diesem Kontrast eine Zukunft lag, von der sie in einem Nachkriegs-Italien nicht einmal zu träumen gewagt hätten.

Wir begannen mit einem kleinen, bescheidenen Entwurf. Er war das Versprechen, das dieses Gebäude seine Funktion noch weit über seine Grundfläche hinaus erfüllen sollte; der Entwurf konnte entweder einen die gesamte Stadt erfassenden Dialog beginnen und als Katalysator für Veränderungen dienen – oder lediglich ein weiteres Gebäude sein.

Wie in vielen Innenstädten kämpfte das Geschäftsviertel um seine Rolle. Seine maroden Hauptstraßen waren nicht mehr voller aktivem Leben. Ein Verlust durch unkontrolliertes Wachstum der Vorstädte, wie er in vielen Teilen der Welt an der Tagesordnung ist. Wir entschieden uns daher, ein Samenkorn auszusähen, das mit starken Wurzeln wachsen würde und die Teile der Stadt, die abgeschnitten worden waren, wieder miteinander verbindet. Dies würde neues Wachstum dort fördern, wo man zuvor nicht einmal davon geträumt hätte.

Mit diesem Schwarzweißfoto im Sinn, schauten wir uns an, wie man ein Gebäude schaffen könnte, das die Gegensätzlichkeit der natürlichen Schönheit und der vom Menschen verursachten heroischen Wildheit zum Ausdruck bringen würde. Wir haben oft eine Passionsfrucht zum Vergleich herangezogen – offensichtlich eine geeignete Analogie – eine harte, knorrige Schale, die die Tatsache unglaubhaft machte, dass sich mit nur einem Schnitt das köstlichste, saftigste und sinnlichste Innere offenbaren würde.

Das Design sah eine Fassade aus gefalteten Stücken aus nüchternem, glasbewehrtem Beton vor, die überzogen wurden mit zarten Akzenten ausgestanzter Blumen – die Blüten des ikonischen australischen Flammenbaums. Für den Eingang wurden symbolische Blätter aus Rohstahl auf plastische Weise genutzt: hart und roh im Kontrast zu zart und lyrisch. Das Innere erschließt sich sodann – eine dreistöckige Geschäftstraße, in voller Höhe aus Holz mit wellenförmigen Strukturen verkleidet, dessen Form sich öffnet und schließt und dadurch ein Spiel von Licht und Schatten erlaubt.

Da das Wollongong-Einkaufszentrum der GTP Gruppe nun eröffnet wurde und ging somit auch unsere dreijährige designerische Reise zu Ende. Für uns Architekten war es eine Ehre, ein Stück dieser Stadt in unseren Händen gehalten und es mit Liebe und Engagement behütet zu haben. Die größere, erstaunlichere Betrachtung besteht jedoch darin, dass unser Kunde diese Verantwortung teilt, zusammen mit einer unterschwelligen Liebe zu diesem Ort und dem Wunsch, ungewöhnliche Wege zu beschreiten. Heute übergeben wir dieses Gebäude – in der vollen Erwartung, dass der gepflanzte Samen viele Früchte hervorbringen möge.

Worin besteht nun hier die Lektion? Jeder Ort, den wir gestalten, ist jemandes Zuhause: das unserer Eltern, unserer Freunde, unserer Kinder, unserer Geliebten. Es ist uns eine Ehre dieses Zuhause inspirierend zu gestalten. Aber trotz Zweifel und Hürden (sicherlich das Los des Architekten – 8.500 gelochte Bleche für eine Decke, noch Fragen?) hielten wir uns an eine Sache, nicht ein Gebäude zu kreieren, das dieser Platz verdient hatte, sondern eher ein Gebäude, das seinen Platz verdiente. Ich hoffe, es ist uns gelungen.