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Der Wert des Envision-Dialogs

10 Lektionen, anhand derer wir gelernt haben, den Dialog zu verbessern

Envision ist ein relativ neues amerikanisches Nachhaltigkeits-Ratingsystem für Infrastrukturen und ähnlich dem LEED-Ratingsystem für Gebäude. Nachdem es offiziell vor nur fünf Jahren vom Institut für nachhaltige Infrastrukturen herausgegeben wurde, hat Envision bereits begonnen, die Art und Weise zu verändern, wie Infrastrukturen wahrgenommen, geplant und entworfen werden. Eine der am häufigsten gestellten Fragen über Envision lautet: „Welchen Vorteil bietet es meinem Projekt oder meiner Unternehmung?“

Die Anwendung von Nachhaltigkeitsprinzipien oder die Zertifizierung eines Projektes bei einem Nachhaltigkeits-Ratingsystem kann in vielerlei Hinsicht Vorteile bieten. Die wichtigsten Ergebnisse unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Daher wollen wir hier auf einige aktuelle Projektlösungskonzepte hinweisen, bei denen Envision während der Planung oder Entwicklung beteiligt war:

  1. Während der ersten Sondierungsgespräche identifizierte ein Team eine zusätzliche Fußgängerbrücke als wichtigen Bestandteil der Infrastruktur, um die Kommune anzubinden, was eines der Hauptanliegen von Envision ist. Die innovative Idee half, den Ausschreibungssieg zu erringen und die Idee letztendlich im Projekt zu realisieren. Envision stellte auch die Grundlagen für den Entwurf zusätzlicher öffentlicher Flächen unter einer Brücke, was sowohl den Wert wie auch die Nutzung des Grundstücks erhöhte. (Envision-Kriterien, die damit in Verbindung stehen: QL1.1 Die Lebensqualität in der Kommune erhöhen; QL3.3 Öffentliche Plätze verbessern, LD 2.2 Die Infrastrukturintegration verbessern)
  2. Eine robustere Energieüberwachungsmöglichkeit wurde im SCADA-System (Überwachende Kontrolle und Datenerhebung) eines Klärwerks installiert, was den Betreibern ermöglichte, den Energieverbrauch des gesamten Werks auf einen Blick zu sehen und auf einfache Weise auf individuelle Vorgänge und Anlagenteile abzuleiten. Die Anlage hilft bei der Überwachung und wird den Energieverbrauch voraussichtlich minimieren. Das Projektteam fügte auch eine bessere Wegekennzeichnung am Standort ein und spezifizierte für Subunternehmer, dass sie einen Envision-Aktionsplan und einen Ansprechpartner für die Belange von Envision bereitstellen müssen. (Envision-Kriterien, die damit in Verbindung stehen: LD3.1 Plan zur langfristigen Überwachung und Wartung; RA2.3 Bereitstellung und Überwachung von Energiesystemen; RA2.1 Den Energieverbrauch reduzieren; QL2.6 Zugang zum Standort verbessern und Wegführung; LD1.2 Etablierung eines nachhaltigen Managementsystems)
  3. Die Konstrukteure eines ländlichen Kraftwerkprojekts beschlossen die Bepflanzung mehrerer Hektar als Biotop für Bestäuberpopulationen auf dem Gelände, das ansonsten brach gelegen hätte. (Envision-Kriterien, die damit in Verbindung stehen: NW3.1 Die Artenvielfalt erhalten)
  4. Mehrere Betreiber von Infrastrukturen haben Envision genutzt, um ihr Engagement im Bereich von Nachhaltigkeit zu demonstrieren. Die Betreiber wandten spezifische Messwerte aus dem Envisionsystem an, um die Ziele und Vorteile für die Umwelt, die Wirtschaft und die der Kommune zu untersuchen, unter anderem auch, wie das Projekt auf die Belange der Kommune eingeht. (Envision-Kriterien, die damit in Verbindung stehen: Die Lebensqualität in der Kommune erhöhen; LD1.1 Effektive Führungsqualitäten und Engagement bereitstellen; LD1.4 Beteiligung der Interessenvertreter begünstigen)

Bei den genannten Beispielen haben die Projektteams die Verbesserungen nicht nur realisiert, um eine bessere Envision-Punktzahl zu erhalten. Im Dialog mit Envision wurde deutlich, dass diese Änderungen oder Zusätze für den Betreiber, das Projekt und/oder die Kommune gleichermaßen Vorteile bieten. Der Dialog mit Envision war der Anfang – der Zündfunke – aber nicht das Ende.

Der Dialog mit Envision resultiert in Lösungskonzepten mit besonderer Wertschöpfung, sei es, dass als Ergebnis Abgase reduziert, Standorte wiederhergestellt, die wirtschaftliche Entwicklung gefördert, Müll vermieden, Schulungsprogramme erweitert, Wasserverbrauch gesenkt, Grünflächen geschaffen werden oder der Energieverbrauch minimiert wird. 


Die gelernten Lektionen

Envisionprojekte teilen sich in zwei wesentliche und unterschiedliche Phasen: Ausrichtung und Dokumentation. Wir wollen unsere Top-5-Lektionen, die wir aus jeder dieser Phasen gelernt haben, mit Ihnen teilen.

Ausrichtung

Bei der Ausrichtung wird sondiert, wie sich der Projektumfang mit dem Rahmenwerk von Envision anpasst und wo Berücksichtigung von Nachhaltigkeit der Planung nutzen könnte. Die ganzheitliche Perspektive des Rahmenwerks veranlasst die Projektteams, über die traditionellen Projektgrenzen hinaus zu schauen und voraus zu sehen, wie das Projekt auf die Kommune wirkt. Das System ist so konfiguriert, das Denken von kurzfristig und projektspezifisch in Richtung von langfristig und breiter angelegt zu verändern. Beispiele sind die Ausdehnung der Projekte auf die Integration mit der Umgebung, Berücksichtigung nachgeschalteter Effekte und Bereitstellung langfristiger Überwachung und Möglichkeiten zum Ende der Lebensdauer.

Hier sind unsere Top-5-Lektionen, die wir gelernt haben:

  1. Envision früh an Verfahren und Entwürfen beteiligen. Ein Projekt hat die meisten Vorteile von Envision, wenn bereits die ersten Gespräche Einblicke geben, wie das Projekt verbessert werden kann und ebenso die Programme oder Vorgänge des Kunden. Manchmal veranlassen gestellte Fragen während einer Envisionbesprechung, dass ein Betreiber über die Grenze dessen hinausgeht, was er in der Vergangenheit getan hat. Manchmal öffnet dieser Dialog die Augen der Interessenvertreter für Verfahren, die zuvor niemals in Betracht gezogen wurden. Beispielsweise könnte ein Betreiber nachhaltige Beschaffungsmethoden für ein Projekt etablieren und in der Folge davon das Verfahren auf alle Firmenprojekte ausdehnen und sogar eine Richtlinie zur nachhaltigen Beschaffung entwickeln. Ob nun gegenwärtige Praktiken unterstützt werden oder neue geschaffen werden, der erzeugte Dialog bietet durch die Berücksichtigung der Envision-Kriterien interessante Perspektiven in jeder Projektphase, aber ist zu Beginn am besten durchzuführen.
  2. Beteiligen Sie eine breite Vielfalt an Projektteammitgliedern. Envision kann und sollte sich nicht in einem Vakuum entwickeln. Es ist wichtig, viele Ansichten und unterschiedliche Fachleute zu den Themen einzubeziehen. Diese Vorgehensweise gilt nicht allein für die Planung und Entwicklung, sondern ist ebenfalls wichtig, wenn das Projekt nach Envision-Potential durchleuchtet wird.
  3. Sorgen Sie dafür, dass jeder im Team die Ziele und Erwartungen von Envision versteht, das gilt auch für die Zeitvorgaben. Die Inanspruchnahme von Envision bedeutet nicht, dem Projekt zusätzliche Kosten aufzuerlegen, aber es bedeutet, eine Menge Fragen zu stellen (und daher Antworten zu erhalten), einige Forschungen zu betreiben und potentiell einige Entwurfseigenschaften oder sogar Kundenprozesse zu verändern. Er erfordert einigen Zeitaufwand, aber alle sind von Anfang an auf der gleichen Seite und arbeiten in Richtung eines gemeinsamen Ziels.
  4. Stellen Sie Fragen! Um Nr. 3 zu vervollständigen, sollte das Team und andere im Unternehmen der Beantwortung von Fragen offen gegenüber stehen. Das Envision-Team sollte auf Experten zu den jeweiligen Themen zugreifen können. Beispielsweise könnte Envision einen Akustikspezialisten zu Rate ziehen, der sich auf die Dokumentation von Schadstoffemission für CR1.2, Luftschadstoffemission-Reduzierung, bezieht. Es ist definitiv ein Thema der Unternehmenskultur, dafür zu sorgen, das jeder bereit ist, den Prozess zu unterstützen.
  5. Entwickeln Sie Werkzeuge um den Prozess effizienter zu gestalten und nutzen Sie sie. Wenn auch jedes Projekt anders ist, gibt es viele Gemeinsamkeiten im Durchlaufen des Envision-Prozesses. Mitarbeiter mit mehr Erfahrung sollten ihre gelernten Lektionen nutzen, damit Prozesse von mal zu mal reibungsloser  vonstatten gehen. Die Erstellung von Werkzeugen – wie etwa die Organisation und das Management von Gesprächsnotizen und potentiellem Arbeitsaufwand – fördert das Verständnis, erleichtert die Einschätzung und verdichtet den Zeitaufwand.

Dokumentation

Die Dokumentation kommt bei denjenigen Projekten ins Spiel, die eine amtliche Beglaubigung  bzw. Zertifizierung anstreben. Sobald ein Projektteam damit einverstanden ist, den Beglaubigungsantrag einzureichen, wird die Organisation von Envision das Team strukturieren und damit beginnen, eine Dokumentation zu erstellen. Berichte werden entsprechend der Kriterien jeder angestrebten Envision-Kategorie erstellt.

Hier sind unsere Top-5-Lektionen, die wir zur Dokumentation gelernt haben:

  1. Bewahren Sie die Dokumentation als Prozess und Projektfortschritt auf. Leiten Sie das Projektteam an, Informationen zu speichern, die für die Envision-Dokumentation nützlich sein könnten. Richten Sie ein Ablagesystem ein, damit Dokumente zu speziellen Envision-Kriterien leicht zugeordnet werden können und Dokumente, die zu mehreren Titelnennungen gehören könnten, leicht zugreifbar sind. Selbst wenn eine solche Dokumentation nicht für die Einreichung bei Envision verwendet wird, könnte es hilfreich sein, wenn Titelnennungen neu eingereicht werden müssen.
  2. Nutzen Sie die Vorteile von miteinander in Verbindung stehenden Envision-Kriterien. Beachten Sie Themen die miteinander in Bezug stehen, um das, was auf beide zutrifft, sprachlich zu bündeln.
  3. Halten Sie auch außerhalb Ihres Projektes in der Kommune und bei Verbindungen in der Region nach für Envision nützlichen Themen Ausschau. Nutzen Sie Dinge wie Nachbarschafts- oder Stadtbebauungspläne, regionale Klimaschutzpläne oder Verkehrsplanung, um die Projektziele und -ergebnisse an den Bedürfnissen der Kommune festzumachen. Viele dieser Pläne sind öffentlich einzusehen und können mit einer Internetsuche ausfindig gemacht werden.
  4. Beantworten Sie die gestellten Fragen. Stellen Sie die Absicht der Kategorienennung, den Informationsstand bezüglich der Leistung und die relevanten Auswertungskriterien heraus. Vergewissern Sie sich, dass die Dokumentation so verfasst ist, dass die gestellten Fragen beantwortet sind, aber fügen Sie keine unnötige Dokumentation hinzu.
  5. Gestalten Sie die Dokumentation für den Begutachter so, dass sie leicht zu prüfen ist.
  • Heften Sie relevante Seiten von Referenzdokumenten oder fügen Sie einen vollständigen Bericht hinzu, sofern erforderlich.
  • Kennzeichnen Sie die erste Seite jedes Begleitdokuments und markieren Sie relevante Informationen, damit der Begutachter die Informationen leicht findet.
  • Vermerken Sie Ihre grundlegenden Schlussfolgerungen in einfacher Sprache auf dem Titelblatt, so dass ein Techniker einer anderen Fachrichtung oder ein technischer Laie Ihr Projekt prüfen könnte.

Den Envision-Dialog bereits zu Beginn eines Projektes zu beleben, vergrößert die Optionen, nachhaltige Eigenschaften einzubinden, unterstützt das Vorantreiben von Projekt-Innovationen, reduziert die Kosten, indem Entwurfseffizienz propagiert wird, sorgt für Verständnis und Verringerung negativer Umwelteinflüsse, verbessert die Projektleistung und fördert die Integration in die Kommune.