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Fünf Mythen über Post-Occupancy Evaluations widerlegt

Die POE oder Post-Occupancy Evaluation (Nutzungsanalyse nach Inbetriebnahme) ist zu einem gebräuchlichen Begriff in der Architektur und der Bauausführung geworden. Und obwohl praktisch jeder in der Branche, von der Planung bis in akademische Ränge diesen Begriff verwendet, gibt es enorme Variationen, was eine POE eigentlich bedeutet und was sie bewirkt. Hier ist Klarheit erforderlich! Lassen Sie uns beginnen, indem wir die fünf weitverbreitetsten Mythen über die POE aufgreifen:

Mythos 1: Jeder weiß, was eine POE ist

Viele nehmen an, das Post-Occupancy (POE) ein klar umrissener Begriff ist – zu diesem Thema wurden zahlreiche Bücher geschrieben. Aber die Bedeutung der POE bleibt in der Praxis völlig widersprüchlich. Der Begriff wird im Allgemeinen verwendet, um den Erfolg eines neuen, sanierten oder erweiterten Gebäudes einige Zeit, nachdem die Nutzer eingezogen sind, zu bewerten. Sie kann so einfach sein wie die Dokumentation der Gebäudeeigenschaft, beispielsweise der Energieverbrauch. Sie könnte einige Instrumenten-Messungen des Umgebungsklimas beinhalten. Es könnte qualitative und/oder quantitative Informationen über die Erfahrungen der Nutzer in Bezug auf das Gebäude umfassen. Die Messdaten können entsprechend validiert werden oder spontan von denen, die die POE durchführen, erhoben werden. Kurz gesagt: es gibt eine Menge Möglichkeiten.

Es ist sinnvoll, wenn wir das, was wir mit POE tatsächlich meinen, hinterfragen und beschreiben, jedenfalls besser als den Begriff in altbekannter Weise inflationär benutzen.

Mythos 2: Der beste Zeitpunkt zur Durchführung einer POE ist nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der neuen Anlage

Es wird Zeit das „Post“ aus POE zu streichen und die Sichtweise zu verändern, dass Anlagenbewertungen nur dann vorgenommen werden, nachdem ein neues oder saniertes Gebäude bezogen wird. Eine Auswertung einer bestehenden Anlage vor Beginn des Projektes erlaubt die Dokumentation von Veränderungen der Ergebnisse in der neuen/aktualisierten Anlage und kann für den Besitzer hilfreich sein.

Die Gebäudebewertung ist jedoch noch über die Grenzen eines gegebenen Planungs- oder Bauprojektes hinweg wertvoll. Die Bewertung ist ein strategisches Unterfangen, das im Auftrag des Eigentümers jederzeit innerhalb der Gebäudelebensdauer durchgeführt werden kann. Formelle Bewertungen können verwendet werden, um die Anlagenleistung vergleichsweise auszuwerten und können den größeren Kontext eines Campus oder Systems im Hinblick auf betriebliche Prioritäten und Ziele anvisieren. Anlagenleistungsbewertung sollte eine wesentliche Komponente des strategischen Planungsprozesses darstellen, da sie eine Palette von Ergebnissen liefern kann, die eine Grundlage für Verbesserungen darstellen.

Mythos 3: POE-Ergebnisse nutzen nur den Architekten und sind für Kunden nicht nutzbringend

Wenn eine Anlagenbewertung in ihrer Zielsetzung klar und gut definiert ist, ist sie weitaus nützlicher für den Kunden als für die Planungsfirma. Immerhin sind es die Kunden, die langfristig mit ihren Gebäuden auskommen müssen. Das Feedback aus der Anlagenbewertung, das gilt auch für Einflüsse auf Gebäudenutzer, ist eine wesentliche Informationsquelle für intelligente Entscheidungsfindung bei der Kapitalplanung. In systematischen, qualitativ hochwertigen Bewertungen legen die Klienten oftmals ihre betrieblichen Probleme offen und auch Veränderungen, die vorgenommen werden können, um die Arbeitsabläufe zu verbessern, ohne sich auf ein großvolumiges Gebäudeprojekt einzulassen. Manchmal wird bestätigt oder erfahren, dass bestimmte Aspekte von leistungsschwachen Anlagen angegangen werden müssen. Formale Messdaten erleichtern auch eine größere Verlässlichkeit während des Planungs-, Entwurfs- und Bauausführungsprozesses.

Mythos 4: POEs sind zu kostspielig

Zunächst einmal, die Kosten einer Anlagenbewertung ist ein Tropfen auf den heißen Stein eines großvolumigen Projektes. Aber sogar bei kleinen Projekten (und sogar wenn kein spezifisches Bauprojekt im Gange ist) sehen wir ständig den übergroßen Wert, den POEs erzeugen. Darüber hinaus, eine qualitativ hochwertige Anlagenbewertung muss nicht teuer sein. Ein Entwicklungsplan kann strukturiert werden, um die Anforderungen hinsichtlich des Budgets und der Ziele zu optimieren. Bei HDR haben wir eine modulare Herangehensweise für die Anlagenbewertung entwickelt. Aus unserem Arsenal bewährter Werkzeuge und Instrumente können wir Bewertungen je nach dem besonderen Bedarf des Unternehmens individuell anpassen.

Enge Partnerschaften mit unseren Klienten ermöglichen es uns, Anlagenbewertungen zu entwickeln, die im Budget bleiben und gleichzeitig den Bedarf decken. Der Wert übersteigt die Kosten üblicherweise bei Weitem und kann zur Entscheidungsfindung sowohl für laufende wie auch zukünftige Anlagen beitragen.

Mythos 5: POE-Ergebnisse sind immer nützlich

Viele POEs sind reine beschreibende Studien mit dem Schwerpunkt auf einer höchst vereinfachten Einschätzung der Zufriedenheit. Wie oft haben wir von jemanden, der die POE-Ergebnisse präsentiert, etwas in der Art gehört: „90 % der Anwender sind mit der neuen Anlage zufrieden?“ Das ist ja nett, aber was bedeutet es wirklich? Und was noch wichtiger ist, inwiefern ist es nützlich? Eine Anlagenbewertung muss uns mehr sagen können als wie viele Leute mit ihrer neuen Bude zufrieden sind.

Eine weitaus nutzbringendere Herangehensweise sammelt und analysiert Informationen über Aspekte des Designs und deren Zusammenhang mit Ergebnissen, die für das Unternehmen wichtig sind. Zum Beispiel haben wir kürzlich eine vergleichende Bewertung von 18 Anlagen im Gesundheitswesen durchgeführt und herausgefunden, dass die Messdaten der Anlagengestaltung in hohem Maße mit den Ergebnissen der effektiven Mitarbeiterzusammenarbeit korrelierten. Obwohl wir keinen ursächlichen Zusammenhang aus dem übergreifenden Studiendesign folgern können, bieten die Ergebnisse dem Unternehmen nützliches und anwendbares Feedback über Anlageneigenschaften. Sowohl die Nutzer wie auch die Planer, können dieses Wissen bei ihren zukünftigen Anlagenplänen einfließen lassen.

Bei der Planung von Anlagenbewertungen sollten wir stets klare Fragen formulieren, deren Beantwortung nachverfolgbare Auswirkungen haben können.