University of Nebraska Manter Hall
Artikel

Gestaltung von Lernumgebungen: Moderne Werkstätten und Laboratorien

Im fünften und letzten Teil meiner Artikelserie „Gestaltung von Lernumgebungen“ beleuchte ich, wie das Mantra Sehen + Hören + Handeln = Erinnern auf Kreativ-Werkstätten und Ausbildungslaboratorien angewendet werden kann.

Die Idee von „Maker-Spaces“ (moderne Kreativ-Werkstätten) ist ein beliebter Trend, wenn es um das aktive Lernen geht. Wenn in der nicht-akademischen Gemeinschaft von Maker-Space gesprochen wird, sind physikalische Räumlichkeiten oder Studios gemeint, in denen praktische Experimente durchgeführt werden, Prototypen gebaut oder anderweitig Ideen getestet werden. Ein Maker-Space stellt üblicherweise Werkzeuge, den Platz zum Arbeiten und Konstruieren und oftmals fachlichen Rat zur Verfügung, was Studenten das Arbeiten in einer gemeinschaftlichen Atmosphäre ermöglicht.

Sie Sind jedoch weniger zur Nutzung als Unterrichtsumgebung gedacht, sie sind eine absolute Lernumgebung. Die Studenten folgen üblicherweise ihren eigenen Vorstellungen, testen ihre eigenen Konzepte und unterwerfen sich keinem Terminplan, außer vielleicht einer Abgabefrist für einen Wettbewerb. Sie können mit der Fakultät zusammenarbeiten oder auch nicht, sie könnten Externe zur Begutachtung ihrer Ideen einladen; oftmals besteht eine Beziehung zu einem Gründerzentrum.

Ein Maker-Space ist der Sandkasten für sich entfaltende Ideen und Existenzgründer. Als solche sind sie typische Arbeitsplätze innerhalb einer großen, offenen Umgebung, damit Studenten an individuellen Projekten arbeiten können. Die gemeinsame Ausrüstung ist so arrangiert, dass sie allgemein zugänglich ist und überwacht werden kann. Meistens verfügt der Raum über eine Betreuung, deren Aufgabe es ist, den Studenten mit der Ausrüstung zu helfen. Studenten müssen normalerweise für die Arbeit an diesem Platz und die Nutzung der Ausrüstung geschult werden.

Es gibt keine Festlegung, wie die Gestaltung eines Maker-Space auszusehen hat; im Allgemeinen sollte er so offen wie möglich sein und flexible Gerätschaften und geeignete Ausrüstung bereithalten sowie genügend Platz, um sich mit anderen Studenten und Vertretern der Fakultät und Industrie oder Gemeindeverantwortlichen zu treffen.

Thumbnail
Die Bellevue University hat vor Kurzem ihre wissenschaftlichen Labore renoviert, um das aktive Lernen mehr zu unterstützen.

Ausbildungslaboratorien waren eine Wendemarke in der wissenschaftlichen und technischen Ausbildung; ihre heutige Form sollte jedoch auf Grundlage des Verstehens darüber, wie Studenten lernen gestaltet werden. Das Unterrichtslabor ist eine weitere Raum-Art, die Architekten lieber überdenken sollten, statt die Grundrisse aus dem letzten Jahrhundert zu verwenden.

Lange, auf drei Seiten freistehende Werkbänke bieten Zweier- oder Vierergruppen Platz, wobei die Ausbilder sich schnell im Raum bewegen können. Ein beliebtes Konzept ist das „Vorlesungslabor“, in dem Studenten schnell vom Vorlesungsmodus in die aktive Anwendung von Techniken und Konzepten wechseln können.

Die Laborgrößen sind auf die Anzahl von Studenten pro Unterrichtseinheit ausgerichtet und können von 24 bis 30 bei einem wissenschaftlichen Labor auf niedrigem Niveau reichen und von 12 bis 20 Personen für ein Labor mit gehobenem Niveau. Die Architekten müssen verstehen, dass das Unterrichtslabor im Verlauf des Semesters unterschiedliche Materialien für die Studenten zur Nutzung bereit halten muss, daher ist ein frei zugänglicher Vorbereitungs-/Lagerraum wesentlich. Materialien und Ausrüstung werden beispielsweise für zwei Wochen in das Labor verbracht und gehen dann in den Vorbereitungsraum zur Lagerung bis zur Nutzung im nächsten Semester zurück. Die ordnungsgemäße Planung dieser Vorbereitungs- und Lagerbereiche kann der Nutzung des Unterrichtslabors an sich enorme Flexibilität hinzufügen.

Diese aktiven Lern-„Labore“ sind nicht billig. Die Planung und der Entwurf von kreativen Werkstätten, Unterrichtslaboren und weiteren aktiven Unterrichtsräumlichkeiten müssen auf Grundlage der Aktivitäten, die hier anstehen, durchgeführt werden. Wenn die Studenten das Angebot weder nutzen noch die Fakultät die Nutzung unterstützt, war der Bau Geldverschwendung. Acht Schritte für das Design eines Maker-Space ist eine gute Ressource zur Bestimmung einiger der Fragen, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie in diese Art von Räumlichkeiten investieren. Wenn Sie entschieden haben, dass die Investition gut angelegt ist, gibt es einige Dinge, die es bei der Gestaltung und Anordnung dieser Räumlichkeiten auf Grundlagen des Mantras „Sehen + Hören + Handeln = Erinnern“ zu beachten gilt.

Sehen

Die Anforderungen für das Sehen unterscheiden sich bei einer Kreativ-Werkstatt von einem Ausbildungslabor. Charakteristisch für einen Maker-Space ist grundsätzlich sein offener Raum. Studenten tragen sich entweder für den Arbeitsplatz ein oder nutzen ihn auf einer Ad-Hoc-Basis. Ausrüstung wie 3D-Drucker, Sägen und Werkzeugmaschinen werden bereitgestellt und Ausbilder oder Aufseher sind eventuell Fachleute aus der Industrie oder ebenso von der Fakultät oder Lehrassistenten. Die Sicherheit ist ausschlaggebend, daher muss der Platz zum Erschaffen so eingerichtet werden, dass die Ausrüstung auf die effizienteste und praktischste Weise genutzt wird, die überwacht werden kann. Diese Räumlichkeiten brauchen oft Lüftungen und Gaszufuhr und müssen daher wie eine Laborumgebung angesehen werden.

In einem Labor benötigt der Lehrer oder Ausbilder normalerweise ein paar Minuten zu Beginn des Unterrichts, um die Techniken oder Aktivitäten, denen sich die Studenten widmen werden, zu veranschaulichen. Der Großteil der Zeit wird jedoch mit der Arbeit der Studenten genutzt, oftmals in Zweiergruppen, um Experimente durchzuführen. Im Allgemeinen gibt es dort einen Whiteboard-Bereich, in dem sich die Studenten zu Beginn versammeln, in dem jedoch keine feste Sitzordnung vorgesehen ist. Es ist wichtig für ein Unterrichtslabor, dass der Ausbilder alle Studenten-Arbeitsstationen einsehen kann, um sicher zu sein, dass sie Fehler korrigiert und Fragen schnell beantwortet werden können.

Thumbnail
Studenten bei der Arbeit im wissenschaftlichen Lernzentrum der University of Georgia.

Hören

Häufig sind die Anforderungen an das Hören sowohl in Kreativ-Werkstätten wie in Unterrichtslaboren ebenso wenig formal wie bei einem Unterrichtsraum. Naturgemäß verursacht die Nutzung der Ausrüstung in diesen Räumlichkeiten mehr Lärm als eine formelle Unterrichtsumgebung. Sofern angemessen, ist entsprechender Hörschutz erforderlich. Es gibt generell akzeptable Lärmgrenzen in einem Unterrichtslabor, diese sind jedoch nicht so zwingend wie in einem Unterrichtsraum. Ausrüstung wie Dunstabzugshauben usw. müssen bereitgestellt werden.

Handeln

Die Anforderungen an das Handeln sind das, was der Motor für Maker-Spaces und Ausbildungslaboratorien ist; es ist ihr eigentlicher Zweck. Es gibt Normen pro Studenten-Arbeitsstation für Unterrichtslabore, die von 3,5 bis 7,5 Quadratmetern pro Student für unterschiedliche Disziplinen reichen. Diese grundlegende Leitlinie muss sich allerdings an der sicheren Bewegungsfreiheit der Menschen, an Materialien und den Abfallprodukten, an den in diesem Bereich genutzten Werkzeugen und an der Anzahl und Art der erforderlichen Gerätschaften, der Unterstützung und des Stauraums orientieren. Lagerraum für viele Arten von Materialien ist für einen Maker-Space wesentlich; der Vorbereitungs- und Lagerraum für Ausbildungslabore ist gleichermaßen wesentlich.

Unsere Rolle als Architekten besteht darin, den Raum und die Gegebenheiten für Studenten zu schaffen, dass sie auf sichere Weise mit den geeigneten Werkzeugen und unter angemessener Aufsicht arbeiten können. Der Raum muss die Werkzeuge ordnungsgemäß unterbringen sowie das Sichtfeld zur Sicherheit und die für die Aktivitäten erforderliche Akustik erhalten. Und zu guter Letzt sind dies die Räumlichkeiten, die es den Studenten ermöglichen, diese letzte Sprosse auf der Leiter der Ausbildung zu erklimmen: Handeln bedeutet, das Konzept zu beherrschen.

Wir wissen heute eine Menge über das Lernen, das wir zu dem Zeitpunkt als die meisten unser Lehreinrichtungen gebaut wurden, noch nicht wussten. Es gibt einige einfache Wahrheiten, die gewürdigt werden müssen, wenn Architekten gestalten und Universitäten Lehreinrichtungen bauen.

Erstens lernen Studenten am besten, wenn man ihnen die Gelegenheit bietet, die Konzepte sofort und in einer praxisorientierten Umgebung anzuwenden. Zweitens müssen Universitäten den Studenten die Gelegenheit geben, das zu lernen, was sie sie nicht allein erarbeiten können. Das ist der einzige Weg, angesichts des heutigen Informationsüberflusses und der Vielzahl an Lernwerkzeugen, relevant zu bleiben. Drittens muss die Beschaffenheit der Unterrichtsräumlichkeiten den Studenten ermöglichen, zu „sehen, hören und handeln“, um ein Erinnern der Konzepte zu erreichen. Das bedeutet eine Verschmelzung von Pädagogik, Räumlichkeiten und Technologie in Kombination mit achtsamer Planung und Gestaltung in allen Unterrichtsräumlichkeiten.