University of Georgia Learning Center
Artikel

Gestaltung von Lernumgebungen: Unterrichtsräume

Diese Artikelreihe über die Gestaltung von Räumlichkeiten zum Lernen konzentriert sich auf das zentrale Konzept von „Sehen + Hören + Handeln = Erinnern“. Mein vorheriger Artikel legt den Schwerpunkt der Anwendung dieses Mantras auf große Auditorien und Hörsäle und wie sie für aktives Lernen gestaltet werden müssen. Lassen Sie uns nun einen Blick darauf werfen, wie diese Konzepte bei kleinen und mittleren Unterrichtsräumen angewendet werden, in denen das Konzept des aktiven Lernens absolut wesentlich ist.

Thumbnail
Studenten an der University of Texas Southwest nehmen an einem teamorientierten Lernkurs teil.

Sehen

Im Allgemeinen werden Unterrichtsräume innerhalb eines Gebäudeplans auf der Grundlage einer Arbeitsplatzgröße pro Student dimensioniert. Bei vielen Unterrichtsräumen, die in den 50er, 60er und 70er Jahren gebaut wurden, betrug diese Größe meist zwischen 1,1 und 1,4 Quadratmetern pro Student. Es gab auch eine Ära der Stühle mit abklappbarer Arbeitsplatte, nach vorne ausgerichtet, in denen die Studenten schweigend sitzen und die Weisheit aufsaugen sollten, die vom erlauchten Professor vermittelt wurde. Er verkündete seine Botschaft aus dem vorderen Bereich des Raums, und die einzige Technologie bestand aus Schultafel und Kreide (eventuell ein Overhead-Projektor in den 70ern).

Heutzutage bringt die überwältigende Mehrheit der Studenten ein elektronisches Gerät mit in den Unterricht und viele nutzten das Gerät, um sich Notizen zu machen. Die Technologie des Ausbilders umfasst einen Computer, einen Projektor, oftmals mehrere Bildschirme und ein Whiteboard oder eine schwarze Tafel. Er übermittelt von vorne einige Erörterungen, geht dann jedoch durch den Raum, während die Studenten aktiv beschäftigt sind, das eben gesehene und gehörte Konzept zu beherrschen. Fest montierte Stühle mit abklappbarer Arbeitsplatte sind passé; der Raum ist oft mit Tischen und Stühlen eingerichtet, idealerweise flexibel, damit die Studenten entweder nach vorne sehen oder sich umdrehen können, um in Gruppen zusammenzuarbeiten.

Für die Umwandlung in den Modus des „aktiven Lernens“ muss die Arbeitsplatzgröße pro Student so ausgelegt sein, dass sie Flexibilität in der Anordnung bieten kann. Die Arbeitsplatzgröße kann von 2,3 bis 3,3 Quadratmetern pro Student, je nach Möblierung und gewünschten Anordnungen, betragen. Der Architekt muss sich diese Raumzuteilung vornehmen und diese dann zu einem Unterrichtsraum formen, der optimale Sichtfelder bietet.

Wenn ein Unterrichtsraum oder eine Lernstätte dimensioniert wird, lautet die beste Daumenregel, um sowohl gute Sichtfelder wie auch einen effizienten Grundriss herzustellen: der Raum muss ungefähr rechteckig sein, jedoch NICHT lang und schmal. Wenn X = 1 ist, dann sollte Y idealerweise = 1,2 betragen und nicht mehr als 1,5. Bildschirme sollten so groß wie möglich sein, und die doppelte Bildschirmhöhe sollte zwischen dem Bildschirm und der ersten Stuhlreihe (und Augen) als Entfernung beibehalten werden.

Hören

Ich hatte eine sehr informative Unterhaltung mit einem Akustik-/IT-Berater anlässlich eines kürzlichen Projekts, bei dem ich einen Unterrichtsraum mit der obigen Gleichung (Y = 1,2 x X) geplant hatte. Ich hatte verfügt, dass die lange Wand die Lehr-Wand sein sollte und der Berater sagte mir, dass er stets wünschte, dass die kurze Wand die Lehr-Wand sei, weil sich dadurch die beste Sicht auf die Bildschirme ergäbe. Das öffnete mir die Augen; wenn ich den Raum als Lehrer betrachte, ist die lange Wand die Lehr-Wand, weil dadurch die meisten Studenten weit „vorne“ sitzen – was für das Hören das Beste ist. Solange die magische Gleichung beachtet wird, können wir das Beste aus beiden Welten bekommen: gute Sicht UND gute Akustik.

In den ersten paar Jahren meines beruflichen Werdegangs habe ich an der Oberschule unterrichtet. Ich unterrichtete in einer neu erbauten Schule mit Unterrichtsräumen, die angemessen dimensioniert waren und mit 35 Stühlen mit abklappbarer Arbeitsplatte ausgestattet waren. Ohne genau zu wissen, warum ich das tat, arrangierte ich den Raum stets wie unten gezeigt:

Thumbnail

 

Was ich derzeit wusste, war, dass dies mir ermöglichte, jeden Schüler im Raum zu sehen und es erlaubte ihnen, mich zu sehen. Es bedeutete auch, dass ich, wenn jemand hinten im Raum nicht aufpasste, näher zu ihm hingehen konnte. Ohne dass ich etwas anderes tun musste, veranlasste sie nur der Klang meiner Stimme, die ein wenig lauter wurde, aufzupassen. Es machte es auch einfacher zu sehen, ob jemand seinen Hals verrenkt, um bei einer Klassenarbeit auf das Blatt von jemand anderem zu schauen.

Wir wissen jetzt also, dass die richtige Aufmerksamkeit für die Akustik wesentlich ist, wenn die Schüler/Studenten das mündlich präsentierte Material hören und verstehen können sollen. (Vergleichen Sie Artikel Nr. 2, Ein einfaches Mantra). Einfach formuliert: Je mehr ein Ausbilder sich unter seine Schüler/Studenten mischen kann, desto mehr pädagogische Werkzeuge hat er zur Verfügung.

Thumbnail
Vorlesungen in Unterrichtsräumen werden oft von verschiedenen Aktivitäten unterbrochen, in die die Studenten verwickelt sind.

Handeln

In einer Unterrichtsraum-Umgebung kann eine Vielzahl von Methoden die Beteiligung der Studenten sicherstellen. Kurze Schreibpausen während einer Vorlesung können den Studenten helfen, herauszukristallisieren, was sie tatsächlich verstanden haben und wobei sie noch unsicher sind. Eine Erklärung durch den Nebenmann und sich selbst eine Erklärung zu geben – wenn alle Lernenden das Gelernte in eigene Worte fassen - sind Wege, auf denen das gleiche Ziel erreicht wird. Unter Verwendung von Technologie kann der Ausbilder Fragen stellen und die Studenten abstimmen lassen. Mit Software wie beispielsweise Poll Everywhere können alle auf dem Bildschirm sofort nachvollziehen, ob sie es richtig verstanden haben.

Problemlösung, entweder allein oder in Gruppen, bedeutet, die soeben gelernten Konzepte anzuwenden. Wenn sie während des Prozesses nicht mehr weiterkommen, hilft ihr metakognitives Verstehen: haben sie wirklich genug verstanden, um das Problem zu lösen oder was müssen sie noch darüber hinaus lernen?

Noch einmal ein kurzer Satz über Stühle mit abklappbarer Arbeitsplatte: sie werden oft immer noch in Universitätseinrichtungen verwendet, hauptsächlich deswegen, weil sie bereits in der Vergangenheit angeschafft wurden.Sie sind beweglich und neu anzuordnen. Die Frage, normalerweise vom Budget motiviert, ist also, warum wir sie nicht zum aktiven Lernen einsetzen? Es ist wahr, dass die Studenten die Stühle mit abklappbarer Arbeitsplatte herumziehen können und Gruppen bilden.Die Arbeitsplatte ist jedoch aufgrund ihrer Beschaffenheit ein Mittel zur Trennung. Jeder Student hat seine eigene sehr kleine und oft geneigte Arbeitsoberfläche. Die Möglichkeit, über eine ebene Oberfläche Informationen zu teilen, besteht also nicht. Die Studenten können ihren Laptop nicht gerade darauf stellen, um ihn mit anderen zu teilen. Außerdem sind die Stühle klobig und normalerweise schwer zu bewegen, und daher werden Sie nach dem Unterricht unordentlich hinterlassen. Vor einiger Zeit warb eine Universität, die an einem Programm für Unterrichtsräume zum aktiven Lernen beteiligt war, damit, dass Stühle mit abklappbarer Arbeitsplatte eine akzeptable Überbrückung seien, aber es andere Wege für Studenten geben müsse, Informationen zu teilen, wenn sie zusammen arbeiteten.

Die praktische Anwendung von Fähigkeiten ist ein weiteres pädagogisches Werkzeug. Dies war stets die primäre Idee hinter Ausbildungslaboren für die Wissenschaft und Technik. Studenten gehen zur Vorlesung, um die Theorie zu lernen und gehen dann ins Labor, um sie praktisch anzuwenden. In einer demnächst erscheinenden Veröffentlichung werde ich ausarbeiten, wie diese Laborräume unter Verwendung des Mantras auch gestaltet werden können: Sehen + Hören + Handeln = Erinnern.

Unterrichtsräume, die zum aktiven Lernen entworfen wurden, bieten ein gutes Sichtfeld und gute Akustik. Sie enthalten flexibles Mobiliar, das umherbewegt werden kann, und Technologie, die das Teilen von Informationen erlaubt. Sie gehen davon aus, dass der Ausbilder durch den Raum gehen wird, um die Gruppenarbeit, die die Studenten verrichten, zu beobachten. Dies sind die Werkzeuge für aktives Lernen.