Bellevue University Teaching Lab
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Hybrid-Kurse: Virtuelles Lernen & der physische Klassenraum

Vor einigen Wochen, haben wir Teil 1 unserer Interviewreihe über Adaptionen veröffentlicht, in dem Professor John Kyndt seine Einsichten zu den wesentlichen Änderungen erläuterte, die in der Hochschulausbildung stattfinden. Er richtete seinen Fokus auf den Wandel zu problembasierten Lernansätzen. Adaptionen sind eine Reihe von Interviews mit Pädagogen aus aller Welt, die verschiedene Hintergründe, Disziplinen und Einrichtungen repräsentieren. Diese Interviews untersuchen, wie Pädagogen sich an die sich ständig wandelnde Bildungslandschaft anpassen und wie die etablierten Umfelder diese Bemühungen unterstützen oder behindern.

Im Teil 2 der Fortsetzungsreihe spricht Professor Kyndt mit Mike Hamilton von HDR über seine Erfahrungen bei der Umsetzung eines Hybrid-Kurses – der Elemente sowohl des physikalischen wie auch des virtuellen Unterrichtsraums umfasst.

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Professor John Kyndt von der Bellevue University spricht mit Mike Hamilton, Konstruktionsleiter bei HDR.

Innen- und Außenbereich: Wie sich die Nutzung der Räumlichkeiten ändert

Mike: Haben Sie während Ihrer Amtszeit irgendwelche Änderungen in der Art und Weise feststellen können, wie Studenten die Räumlichkeiten oder den Campus nutzen?

John: Wenn sie den Unterrichtsraum betreten, wollen sie Kontakt haben – das heißt, sie wollen Zugriff auf ihre Geräte haben. Sie bringen Ihre Laptops und ihre Telefone mit — etwas, was sie bisher nicht getan haben. Ich erlaube Laptops und Mobiltelefone während des Unterrichts, solange sie sie auf stumm schalten. Und ich habe beobachtet, als wir gerade über ein bestimmtes Thema sprachen und ich den Studenten eine Frage stellte, dass sie die Antwort in ihrem Laptop nachsahen. Es ist eine Art neuer Trend. Als ich meine wissenschaftlichen Vorlesungen besuchte, hatten wir einen Kugelschreiber und Papier. Wir hätten es nicht gewagt, einen Computer mit hereinzubringen.

Aber außerhalb der eigentlichen Räumlichkeiten haben wir eine Ausweitung der Online-Kurse zu verzeichnen . Es ist eine Option, welche die Studenten heutzutage erwarten. Ein anderer neuer Trend jedoch ist, dass viele Studenten keine Erfahrung haben möchten, die 100 % online gemacht wird. Sie möchten auch in der Lage sein, im realen, physikalischen Raum Verbindungen einzugehen. Sie möchten zwischen den beiden wechseln und die Flexibilität haben, entweder online zu sein oder im physikalischen Raum zu sein, je nachdem was gerade erforderlich ist. Ob wir das leisten können ist eine andere Frage, aber das ist die Richtung, in die wir gehen.

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Bildschirme seitlich im Labor können sowohl für Präsentationen wie auch Videokonferenzen verwendet werden.

Die praktischen Grundlagen der Hybrid-Kurse

Mike: Sie haben also damit begonnen, das Konzept der „Hybrid-Kurse“ zu erforschen. Können Sie erklären, wie genau sie funktionieren?

John: Beispielsweise unterrichte ich Dienstagsabends Ernährung. Ich habe einen Online-Kurs und einen für Kursteilnehmer vor Ort, die ich zusammenführe. Ich lade die Studenten vom Online-Unterricht ein, dazuzukommen und virtuell im Unterrichtsraum dabei zu sein. Die Studenten betreten einen virtuellen Raum. Dann schalte ich die Webcam ein, sie können den Raum vollständig einsehen. Und ich kann sehen, wie ihre Webcam erscheint. Ich sehe meistens ungefähr fünf Leute gleichzeitig, aber es können sich 100 Personen im Raum aufhalten. Wenn jemand spricht, erscheint das auf meinem Bildschirm. Es ist irgendwie wie bei Google Hangout.

Und dann kann ich meine Folien teilen, die ich dem Kurs vor Ort und auch dem virtuellen Kurs zeige, also sieht jeder die gleichen Dinge. Die Studenten im virtuellen Raum können zwischen den Bildschirmen umschalten, sodass sie entweder den Unterrichtsraum oder die Folien sehen. Ich kann etwas an einem virtuellen Whiteboard zeichnen, das sie ebenfalls sehen können. Ich habe bisher das Whiteboard nicht so viel verwendet, aber ich zeige meine Folien und ich beziehe die Studenten im virtuellen Raum mit ein.

Ich nutze die seitlichen Bildschirme im Unterrichtsraum zusätzlich zu den vorderen Bildschirmen. Ich lege diese in den Raum um und zeige dort meine Präsentationen, und wenn jemand im virtuellen Unterrichtsraum spricht, dann schalte ich die Person ebenfalls auf diese Bildschirme.

Mike: Sind die virtuellen Studenten bei der Teilnahme entspannt?

John: Das ist das erste Mal, dass ich diese Art der hybriden Konfiguration ausprobiere. Ich finde, die Studenten sind irgendwie zaghaft. Üblicherweise sind sie bereit, eine Frage in die Chatbox zu tippen und dann lese ich die Frage den übrigen Kursteilnehmern vor. Ich hatte nur eine Handvoll, die tatsächlich versucht haben, etwas vor der Gruppe zu sagen. Es ist irgendwie einschüchternd, das virtuell zu tun, glaube ich. Aber wir werden das weiter beobachten. 

Mike: Gibt es noch weitere Arten der Interaktion im physikalischen Raum außer der virtuellen? Können sie zum Unterricht kommen?

John: Diese spezielle Studentengruppierung macht das nicht. In diesem Sinne haben wir nicht wirklich ECHTE Hybrid-Vorlesungen, bei dem sich die Studenten einschreiben und die Flexibilität besitzen, zwischen Online-Kurs und Kurs vor Ort im Kursverlauf eines Semesters zu wechseln. Stattdessen schreiben sie sich üblicherweise lediglich in den Kurs vor Ort oder den Online-Kurs ein. Daher liegt es am Professor, die beiden zu verbinden und zu entscheiden, was erlaubt ist. Studenten hier vor Ort habe ich beispielsweise eine Verknüpfung zum virtuellen Kurs geöffnet, falls sie mal ein krankes Kind haben oder selber krank sind. Daher habe ich einige „Vor-Ort“-Studenten, die nicht immer den Unterricht vor Ort besuchen, ihn jedoch online von zu Hause aus ansehen. Ich glaube, dass das vollkommen in Ordnung ist – der Punkt beim Hybrid-Kurs ist schließlich, die Flexibilität zu haben.

Natürlich möchte ich die Studenten in meinem Unterrichtsraum behalten, daher können nicht alle zu Hause bleiben. Bisher war das aber noch kein Problem.

Dieses Wintersemester werde ich eine echte Hybrid-Version dieses Kurses anbieten, bei dem die Studenten nicht zwischen der Einschreibung online oder vor Ort wählen müssen, sondern die Flexibilität nutzen können, beliebig den Unterricht vor Ort zu besuchen oder sich virtuell dazuzuschalten.

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Glaswände ermöglichen es den Leuten in den Gängen, in das Labor hineinzusehen und zu beobachten, was die Studenten gerade tun.

Ein Unterrichtsraum mit virtuellem Impact

Mike: Wie würde es sein, diese Art von Hybrid-Kurs in den früheren Räumlichkeiten abzuhalten im Vergleich zu einem Raum wie diesem hier?

John: Selbst wenn wir damals die Kapazitäten gehabt hätten, den ganzen Raum in unseren früheren Räumlichkeiten aufzuzeichnen, glaube ich nicht, dass es auf die Studenten die gleiche Wirkung ausgeübt hätte. Die Aussicht auf einen langweiligen Unterrichtsraum im Vergleich zu diesem interessanten, coolen Raum schafft eine völlig andere Erfahrung für den Online-Studenten. Wenn Sie in der Studenten-Perspektive durch die Webcam sehen, ist das, als ob sie in einem offenen Raum sind. Sie fühlen sich wie in einem Unterrichtsraum, in dem sie sein möchten und sich an der Konversation beteiligen können.

Es hat hoffentlich die gleiche Art der Wirkung, die Dinge wie offene Fenster auf Studenten vor Ort haben.  Es erweckt hoffentlich den Wunsch, in den Unterrichtsraum zu kommen. Sogar als Professor, das mag jetzt albern klingen, fühlt man sich mehr verbunden mit der Welt in einem solchen offenen Raum im Vergleich zum Aufenthalt in einem Unterrichtsraum, in dem man ohne Fenster von vier Wänden umgeben ist.

Mike: Haben Sie VR (virtual reality = virtuelle Realität) oder AR (augmented reality = erweiterte Realität) in Ihrem Unterrichtsraum verwendet oder haben Sie deren Verwendung überhaupt schon einmal bei der naturwissenschaftlichen Ausbildung beobachten können?

John: Das ist eine interessante Frage, weil es im Raum steht und auch auf uns zukommen wird. Ich bin neugierig darauf, zu erfahren, was wir damit bewerkstelligen können. Ich glaube, besonders in den Naturwissenschaften gib es viel, das man tun könnte, beispielsweise Modelle von Organismen oder chemischen Molekülen als erweitere Realität im Raum zeigen und den Studenten ermöglichen, diese mit einer App auf ihren eigenen Geräten zu sehen. Ich weiß, dass die Bellevue University ein Interesse daran hat. Wir müssen das abwarten, die Fakultät muss herausfinden, wie wir das ebenfalls integrieren können ...

Es wäre verrückt, darüber nachzudenken, worin die nächste Entwicklungsstufe von allem bestehen könnte. Ich meine – es würde mir auch gefallen, Hologramme meiner Studenten in meinem Unterrichtsraum zu haben. Vielleicht ist das der nächste Schritt?!

Mike: Der echte Hybrid – Sie haben die Studenten vor Ort, die Online-Studenten und dann die holografischen Studenten.

John: Stimmt‘s? Das wäre großartig. Ich glaube, das würde gut funktionieren.