Afghanistan Defense Ministry Building
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Wiederaufbau eines vom Krieg erschütterten Landes

Unser Kunde, das Air Force Civil Engineer Center (Bauingenieurszentrum der US-Luftstreitkräfte) unterstützte das US-Verteidigungsministerium beim Ausbau der Anlagen der afghanischen nationalen Sicherheitskräfte.  Das Bauausführungs-Management-Team von HDR war maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Das Programm sollte nicht nur die Sicherheit in Afghanistan landesweit stärken, sondern auch Hoffnung für die Einwohner bringen, indem Arbeitsstellen und Wirtschaftswachstum geschaffen wurden. Das mit 1,1 Milliarden EUR dotierte Programm erforderte jedoch in einem vom Krieg erschütterten Land mit archaischen Bauausführungsstandards, unregulierten Materiallieferanten und weitestgehend ungeschulten Arbeitskräften eine Aufsicht.

Wir übernahmen die Leitung, Aufsicht und Schulung, um diese Mission Realität werden zu lassen. Die Arbeit unseres Bauausführungs-Management-Teams umfasste Konstruktion, Materialprüfung, Bauinspektion und Fortschrittsberichte, indem wir auf den Baustellen die Qualitätssicherung bei 46 Projekten in 10 Regionen und 61 Baustellen übernahmen.

„Als der Kunde eine Firma für ein extrem großes, vielschichtiges und anspruchsvolles Baudienstleistungsprogramm brauchte, haben wir die Herausforderung angenommen und übertrafen die Ziele und Erwartungen“, erläuterte Sean O‘Brien, Leiter der Betriebs- und Baudienstleistungen. „Um den Anforderungen gerecht zu werden, war der Personalbedarf sowohl in als auch außerhalb Afghanistan enorm. Es war ein gleichermaßen schwieriges wie auch bereicherndes Programm, an dem ich und viele aus unserem Team die Gelegenheit hatten, teilzuhaben."

Das Projekt beinhaltete neue Universitäten, Regierungsgebäude, Schulungszentren, Kasernen, Rekrutierungsbüros, Flughäfen, Straßen, Brücken und andere Anlagen, welche die afghanischen Sicherheitskräfte benötigten. Zu den Highlights zählten ein fünfgeschössiges „Mini-Pentagon“ für das afghanische Verteidigungsministerium, eine 43 Hektar große Militärakademie nach dem Vorbild der Britain's Royal Military Academy und eine afghanische Luftwaffenakademie, an der dieses Jahr die ersten 70 Piloten ihren Abschluss machen.

Die Beteiligung afghanischer Arbeiter und regionaler Materialien, um die Wirtschaft des Landes wieder aufzubauen und Optimismus zu schaffen, brachte einzigartige Herausforderungen mit sich. Der afghanischen Bauweise fehlte es an modernen Verfahren, darunter Konstruktionsstandards, Technologie und Sicherheitsprotokolle. Das Team entwickelte neue Konstruktionsstandards, um den bei regionalen Subunternehmern bestehenden Mangel an Kenntnis über US-Bauverfahren auszugleichen. Von der Errichtung des ersten Gebäudes im Lande, das mit seismischen Zonen entworfen worden war, bis zu einfachen Lösungen wie dem Einbau von verglasten Fenstern und der Montage von Siphons in Waschbecken und Toiletten waren die Herausforderungen enorm vielfältig.

„Unsere Arbeit in Afghanistan begann 2009 auf einer Handvoll Baustellen und expandierte 2012 mit Baustellen im ganzen Land“, erklärte Chewy Johnston, Programmmanager für Betriebs- und Baudienstleistungen.

Lektionen

„Es gibt zwei wichtige Dinge, die wir während dieses Prozesses gelernt haben“, sagte er. „Internationale Unterstützung, darunter Personal, Informationstechnologie und Führungsqualitäten, vermitteln einen wertvollen Einblick für zukünftiges internationales Wachstum. Es arbeitete eine Mischung vieler verschiedener Nationalitäten am Programm, darunter Briten, Inder, Ägypter, Afghanen, Filipinos, Amerikaner, Kanadier und Afrikaner. So viele Unterschiede zu integrieren und die vielen Kulturen zu respektieren, erwies sich als Herausforderung und der Erfolg ist ein Tribut an unsere Fähigkeit, fokussiert zu bleiben und uns um unser internationales Team zu kümmern.“

Eine technologische Trennung manifestiert sich auf mehrere Arten: Zunächst bei den Bauarbeiten vor Ort, wo sich die Teammitglieder oft auf entfernten Standorten ohne Internet oder Mobilfunknetze wiederfanden, dann bei der Konstruktion der Anlagen an sich, wobei oft keine modernen Bautechniken eingesetzt werden konnten, da diese unmöglich langfristig in Afghanistan sichergestellt werden könnten.

„Die zweite Lektion bestand darin, geeignete Konstruktionslösungen zu finden, die den afghanischen Möglichkeiten, die neuen Gebäude instandzuhalten, entsprachen“, sagte Johnston. „Die Nutzung der modernsten Technologien war nicht anwendbar, weil die Afghanen noch nicht im Stande waren, solche Technologie zu warten. Das Kombinieren der optimalen Technologie mit der Fähigkeit der Afghanen, diese zu warten, war eine andauernde Herausforderung, die unser Bauingenieursteam mit Sitz in den USA und die Teams auf den Baustellen in Afghanistan sowohl mit unseren Kunden als auch mit den üblichen Subunternehmern bewerkstelligten.“

Das Team schulte lokale Arbeiter, die Tätigkeiten mit mobilen Geräten zu dokumentieren und sofort zu reklamieren, wenn sie Probleme auf der Baustelle beobachteten. Sie führten auch Sicherheitsschulungen für eine Arbeiterschaft ein, die zuvor Sonnenbrillen und offene Sandalen als angemessen für eine Baustelle erachteten.

„Die Management-Herangehensweise von HDR, robuste interne Qualitätssicherung und ein Qualitätsüberwachungsprogramm, Engagement für die Kundendienstleistungen und der Schwerpunkt auf die Sicherheit trug zum Abschluss der Bauvorhaben in ganz Afghanistan bei“, fasste Jonathan Reeves, AFCEC Projektmanager, zusammen.

Preisgekrönt

Das Konstruktions-Management für die Anlagen der afghanischen nationalen Sicherheitskräfte war ein Preisträger des CMAA-Awards für außergewöhnliche Projektleistung auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene und war eines von 12 Projekten, die für das CMAA Projekt des Jahres und den ACEC-Award für Exzellenz im Bauwesen auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene in Betracht gezogen wurden.

Die Zukunft

Da wir den Fokus unseres Unternehmens weiterhin global setzen, dienen uns die afghanischen Projekte als Nachweis unserer Leistungen und der Fähigkeit, die Erwartungen bei großen und anspruchsvollen Bauausführungs-Projekten zu übertreffen.