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Seite an Seite im Salk Institut: Neue Erkenntnisse für die Gestaltung opfer-orientierter Justiz

John MacAllister, Direktor für den Bereich Justiz, nahm an einer Podiumsdiskussion anlässlich der Konferenz der Akademie der Neurowissenschaften für Architektur (ANFA) im Salk Institute in La Jolla, Kalifornien, teil. Das Thema der ANFA 2016: VERBINDUNGEN – SYNAPSENBRÜCKEN verfolgte den Zweck ein Forum für Architekten und Neurowissenschaftler zu bieten, um zwischen neurowissenschaftlicher Forschung und einem wachsenden Verstehen der menschlichen Reaktionen auf die gebaute Umwelt eine Brücke zu schlagen.

Schauen Sie die ANFS-Podiumsdiskussion hier an: Einzelhaft: Geistige Gesundheit, Neurowissenschaft und die physische Umwelt. Diese Themen wurden aus einer Anzahl verschiedener Gesichtspunkte mit einem Neurowissenschaftler (Gehirnforscher), Architekten, Psychologen und weiteren Experten aus dem Umfeld der Kriminologie und Justiz untersucht, in dem diese auf die Fragestellung aus ihrer eigenen Perspektive und gemäß entsprechender Fachkenntnis antworteten.

In diesem Interview teilt John MacAllister seine Gedanken über ANFA, opfer-orientierte Justiz und den Grund, warum das Salk Institut eine besondere Bedeutung für ihn hat.

Erzählen Sie uns über die Podiumsdiskussion, an der Sie teilgenommen haben.

J. M.: Ich hatte das Privileg, mit einer Gruppe an hochkarätigen Individuen an der Diskussion teilzunehmen, die von meinen Kollegen Melissa Farling, FAIA, LEED AP, und Fred H. Gage, Ph. D., FAIA Adler Professor im Genetik-Labor, moderiert wurde. Das Gespräch konzentrierte sich auf die Themen und Theorien, die mit dem physischen Entwurf von Einzelzellen, ihrer psychologischen Wirkung und ihrem Einfluss auf das Verhalten assoziiert werden – das Ziel: Die Skizzierung eines neurobiologischen Forschungsmodels für Isolation. Wir haben dieses Forschungsmodell untersucht, was in der Architektur das wissenschaftliche Studium ist, wie gebaute Umwelt den Verstand beeinflusst und infolgedessen die Stimmung des Menschen, sein Verhalten und seine Leistung. Im Falle der Einzelhaft wissen wir, dass die Umgebung oftmals verheerende psychologische (und bisweilen physische) Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Insassen hat und kurzfristige oder oft dauerhafte Beeinträchtigungen zur Folge haben kann. Diese Beeinträchtigung entspricht der Unfähigkeit des Insassen, sich nach der Entlassung erfolgreich in der Gesellschaft zurechtzufinden und erhöht die Wahrscheinlichkeit des Rückfalls. Was den Architekten jedoch fehlt, sind nackte wissenschaftliche Beweise dieser enormen Auswirkungen.

Wie haben die ANFA und ihre Mitarbeiter zu dieser Art wissenschaftlicher Forschung beigetragen?

J. M.: Melissa und Jay Farbstein waren Pioniere in der neurowissenschaftlichen Architekturforschung im Jahr 2008, die erste ihrer Art, die auf dem Gebiet in einer Gefängnisumgebung durchgeführt wurde. Beide waren federführend dabei, die ANFA zu ermutigen, Strafvollzugseinrichtungen als wichtige Gebäude anzusehen. Evidenzbasierte Untersuchungen sind für uns wesentlich, Menschen auf jeder Sprosse der Strafrecht-Leiter auszubilden und Veränderungen zu unterstützen, wie diese Umgebungen gestaltet werden, und im Falle der Einzelhaft, diese drastisch zu reduzieren oder insgesamt abzuschaffen.

Würden Sie sich selbst als Anwalt für soziale Veränderungen bezeichnen? Wie wurde das auf der ANFA Konferenz aufgenommen?

J. M.: Das tue ich. Ich stamme aus einer sehr politisch aktiven Familie und das hat sich auf meine Herangehensweise bei meiner Arbeit übertragen. Alle meine Vortragsthemen beinhalten eine Kombination von Fakten, aussagekräftigen Bildern und Meinungen – es sind farbige und emotionale Präsentationen. Ich bin der Ansicht, dass diese Mischung hilfreich ist, um Menschen zu beteiligen und sie zu Veränderungen zu motovieren.

Erzählen Sie uns über Ihre Erfahrungen an der ANFA und die Bedeutsamkeit ihres Standortes?

J. M.: Auch wenn dies an sich eine Ausnahme-Erfahrung war, wurde es für mich auch zu einem läuternden Erlebnis. Mein Vater, John A. (Jack) MacAllister war der Projektarchitekt des ursprünglichen Salk Instituts, das von Louis Kahn entworfen wurde und dann erst kürzlich für die Erweiterung des Ostflügels. Ich habe als Jugendlicher beobachtet, wie das Salk errichtet wurde. Lou Kahn wohnte immer bei uns zu Hause, wenn er in der Gegend war und Jonas Salk wurde ein guter Freund unserer Familie. Salks Einblicke waren als Ratgeber für mich von unschätzbarem Wert für mein fünf Jahre währendes Diplomarbeitsprojekt bei Salk.

Vom Ostflügel zu sprechen, den mein Vater zusammen mit seinem Partner David Rinehart entworfen hat (beide sind kürzlich verschieden), war eine besonders emotionelle Erfahrung. Am Tag vor dem Podium, machte ich mir die Mühe, durch den gesamten Gebäudekomplex zu wandern, um einfach alles in mich aufzunehmen und mich zu vergewissern, dass ich auf meine Ansprache am nächsten Tage vorbereitet bin. Es funktionierte – ich war inspiriert und ich glaube, ich war in der Lage, diejenigen zu spüren, die bereits zuvor in diesen Räumen wandelten.

Was hätte ihr Vater über Ihre Beteiligung an der Konferenz gedacht und insbesondere über Ihre Podiumspräsentation?

J. M.: Ich glaube, mein Vater hätte es spannend gefunden und er wäre stolz gewesen. Er hätte zu den Themen, die wir diskutierten, applaudiert. Da seine Meinung über die meisten Themen gefestigt war, weiß ich, dass er sich dafür eingesetzt hätte, was wir präsentierten. Natürlich wünschte ich, er wäre dabei gewesen, aber ich weiß, dass er im Geiste bei uns war. Ich habe ihn stets um Rat und Anleitung gebeten, wann immer eine Rede bevorstand, und in einer irgendwie überirdischen Art und Weise scheint das zu helfen.

Welchen Einfluss hatte ihr Vater auf den von Ihnen gewählten Werdegang und den Weg, den Sie innerhalb Ihres Berufszweiges eingeschlagen haben?

J. M.: Architektur stand eigentlich bei meiner Berufswahl an dritter Stelle, nach dem Studium der Theaterwissenschaften und dem Gastronomiemanagement. Und, wie der Volksmund so schön sagt: „Aller guten Dinge sind drei.“ Das Sprichwort wurde definitiv für mich geprägt! Als ich schließlich Architektur an der New School of Architecture in San Diego (die die ANFA-Organisation ins Leben rief) studierte, war mein Vater eine große Unterstützung und Hilfe für mich bei meinen zahlreichen Projekten, insbesondere mit meiner Diplomarbeit. Im Hinblick auf den Schwerpunkt auf die Justiz, war die Lage anders. Ich glaube nicht, dass er zunächst mein Interesse verstand. Nach einigen Jahren nahm er sich die Zeit zuzuhören und er erkannte, das hinter dem, was ich tat, eine größere Mission steckte. Er akzeptierte meine Wahl der der Architektur für die Justiz mit ganzem Herzen.

Hat es auf der ANFA-Konferenz einen „Aha-Effekt“ für Sie gegeben?

J. M.: Ja! Es war großartig, Teil des einzigen Podiums zu sein, das dieses besondere Thema diskutierte – es schien einen wirklichen Einfluss zu haben. Die Vorstellung, dieses wichtige Thema bekannter zu machen, war sehr erfreulich. Die erste Person, die zu mir nach der Präsentation nach oben kam, war Jonas Salks Bruder Peter. Er äußerte sich ausgesprochen lobend über das Podium, was auch einige andere taten, daher spürte ich, dass wir die Botschaft erfolgreich übermittelt hatten.

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