Neues Arbeiten ICE-City Erfurt – The Urban Village

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Neues Arbeiten ICE-City Erfurt – The Urban Village

Im Osten des Erfurter Hauptbahnhofs und nördlich des Güterbahnhofs entsteht als bauliche Fortsetzung des, von Delugan Meissl Associated Architects gestalteten, Auftakts der neuen ICE-City Ost, ein Gebäudecluster als vitales Herz der wegweisenden Stadterweiterung. Über das „Promenadendeck“, als attraktiver, räumlich wirksamer Brückenschlag und Ersatzbau einer vorhandenen Wegeführung von Schlaich Bergermann Partner entworfen, ist der Stadtteil sinnstiftend visionär mit der historischen Innenstadt verbunden. Das moderne Dienstleistungs- und Kreativquartier setzt darüber hinaus zukunftsweisende Maßstäbe für das Neue Arbeiten und fügt sich in der architektonischen Ausformulierung, aufgrund seiner hybriden Holz-Beton-Bauweise, progressiv nachhaltig in die Tradition der thüringischen Holzbauhistorie und die modernen Architekturansprüche ein. Charaktereigenschaften der umliegenden Stadtlandschaft werden bewusst und konsequent einbezogen, so dass sich zur Blockrandbebauung der Nachbarschaft klare Gebäudelinien herausbilden und eine öffnende Geste nach Süden entsteht. Obwohl von der städtebaulichen Struktur her ein vollständiger Erfurter Block als Gebäudevolumen entsteht, ist die untergeordnete Gebäudetektonik bewusst kleinteilig gehalten. Dadurch entsteht ein konsequenter Weiterbau der urbanen Geografie bei gleichzeitigem Herstellen menschlicher Maßstäbe. So webt sich der entstehende Baustein, ganz selbstverständlich, in den vorhandenen Stadtkörper ein und zeigt sich zugleich innenräumlich offen und kommunikativ sowie flexibel nutzbar für die Anforderungen, Organisationen und Gestaltungen kommender Arbeitswelten.

Der Erfurter Häuserblock der Gründerzeit dient als städtebauliche Basis für die Gestaltung des neuen Stadtquartiers, im Osten der thüringischen Landeshauptstadt. Nördlich des Güterbahnhofs und in direkter Nachbarschaft zum bekannten Kunst-, Kultur- und Kreativzentrum „Zughafen“, zeigt er sich in einzelne Hauseinheiten unterteilt, welche nach außen eine gemeinsame urbane Fassade bilden, während im Inneren ein freier Platz entsteht. Gleichzeitig versteht sich das neue Quartier, ähnlich der bekannten mittelalterlichen Krämerbrücke, als urbanes Gefüge einzelner Häuser auf einem verbindenden Sockel. Zur Stadt bildet der Baukörper einen Blockrand während sich im Inneren Landschaft und Häuser miteinander verweben. Regionale Verwurzelungen werden neu interpretiert und bilden so für den prägnanten Bau die Grundlage für eine kleinteilige Struktur. Dabei schafft der aufgelöste Gebäudekomplex trotz unterschiedlicher Volumen und Höhen ein ausdrucksstarkes Ganzes. Zur Umgebung reagiert er harmonisch im Zusammenspiel seiner einzelnen Massen, welche sich nach Süden hin auflockern und dadurch einen fließenden Übergang zwischen Umgebung und Herz der neuen Arbeitswelt herstellt.

Als Reaktion auf zukünftige Erschließungen des öffentlichen Nahverkehrs, entsteht im Süden ein großzügiger Platz, der von Casino und Cafeteria gerahmt wird und durch Sitzgelegenheiten im Freien zusätzlich bespielt werden kann. Daraus bildet sich ganz selbstverständlich der Haupteingang des Gebäudekomplexes heraus, der zur Altstadt hin orientiert, den Mittelpunkt des Areals bildet. Im Inneren, werden die einzelnen Nutzungseinheiten in den Modulen des Gebäudekomplexes, durch offene Aufenthalts- und Kommunikationsbereiche sowie durch Brücken zu einem Netzwerk verwoben. Ein-, Aus- und Durchblicke in der offenen Erschließungszone, rücken Kommunikation, Austausch und Miteinander in den Vordergrund und gleichzeitig bieten die angrenzenden Büros adäquaten Raum fokussiertes sowie ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen. Die Kerne wiederum bilden das Rückgrat des zentralen Innenraumes und befinden sich an strategisch relevanten Positionen, welche eine schnelle und angenehme Erschließung gewährleisten. Im Luftraum über dem Innenhof, befinden sich zusätzlich zahlreiche Querverbindungen zwischen den einzelnen Modulen, die in Nutzungseinheiten aufgeteilt sind und alle über ähnliche Raumqualitäten verfügen. So entstehen kleine Arbeitswelten mit eigener Identität, die sich durch den Innenhof und die dort verorteten Kommunikationsräume vernetzen und zu einem natürlichen Organismus heranwachsen. Im Zusammenwirken dieser Faktoren, unterstreicht das Gebäude seine Eigenschaften hinsichtlich architektonischer Präzision, räumlicher Innovation und gestaltungstechnischer Avantgarde.

Auch in der Materialität sind regionale Analogien bewusstes Gestaltungselement. So fungiert der mineralische Sockel des Gebäudes, wie bei der Altstädter Krämerbrücke, als verbindendes Element zwischen den einzelnen Häusern. Im Gegensatz dazu dient die lange, seit dem 13. Jahrhundert bestehende Tradition des Holzbaus in Thüringen und der daraus entstanden Bebauung in und um Erfurt, mit ihren unzähligen Fachwerkhäusern, als Leitbild für die konstruktive und nachhaltige Bauweise der Einzelhäuser. Die Fassade selbst nimmt dieses Thema weiter auf und spielt mit deren Motiven und Strukturen. Gleichzeitig werden Proportion und Gestalt auf die bauphysikalischen und ökomischen Parameter optimiert, um ein passendes Nutzerumfeld zu schaffen. Zusätzlich optimiert ein Fassadenkleid aus keramischen Lisenen, gleich einem Vorhang verdichtet und gerafft, den solaren Eintrag und die thermische Behaglichkeit. Extensiv begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen sowie Dachterrassen, die nicht nur als ökologische Kompensationsflächen dienen sondern auch als nutzerspezifischer Mehrwert zur Verfügung stehen, bilden den oberen Gebäudeabschluss.

Alle Freiräume werden als besondere Aufenthaltsorte gestaltet und umfassend nutzbar gemacht. Gleichzeitig wird der zentrale Raum des Gebäudekomplexes als großzügiger, durchgängig erlebbarer, öffentlicher Raum angelegt und ist leicht sowie sozial attraktiv einsehbar, ohne räumliche Verengungen und lichtarme Nischen. Zur besseren Orientierung setzen sich die Oberflächen des Außenraums im Erdgeschoss in den Erschließungs- und allgemeinen Aufenthaltsflächen des neuen Gebäudes fort und verbinden sowohl das Äußere als auch Innere zu einem großen Erlebnisraum. Bäume (neu hinzugefügt sowie im Bestand erhalten) sind das zentrale Element besondere Aufenthaltsqualitäten herzustellen und regulieren zudem das Mikroklima. Sie sind Bestandteil grüner Rückzugsorte, die sowohl als Pausen- und Erholungsräume als auch zum besonderen Arbeiten genutzt werden können. Gemeinsam mit einem Teil der Dachflächen, die ein flexibles Angebot an Aufenthalts- und Bewegungszonen unterschiedlichster Nutzung, vom Dachgarten bis zur ortsangepassten Sportfläche, bereithalten, gestalten sie ein modernes und umfassend flexibles Raum- sowie Arbeitsplatzangebot.

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Auftraggeber
Deutsche Bahn
Ort

Erfurt,
Deutschland

Märkte
Leistungen